Dienstag, 23.07.02    Moskau - Nishnij Novgorod

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Heute sind wir ziemlich früh morgens nach Nishnij aufgebrochen, wir haben ja schon einen Tag verloren, Juras Frau wartet und wir wissen nicht, wie gut wir durch kommen. Außerdem müssen Corinna und ich ja unsere ersten Fahrversuche unternehmen und ein bisschen was vom Auto verstehen lernen. Hätte sich in Deutschland vielleicht ein Crashkurs im Autozerlegen gelohnt?
Unterwegs, nach vielleicht 100km bog Jura direkt von der Magistrale M7 in einen Waldweg ab. Er stieg aus, hob ohne irgendwelche Hebel zu lösen einfach den Fahrersitz heraus, klappte die rot gepolsterte Motorhaube auf, die zwischen den beiden Vordersitzen liegt und stellte schließlich den Beifahrersitz auch noch in den Wald.
Er fing an zu erklären: Hinter dem Fahrer ist die Batterie, gelegentlich mal destilliertes Wasser nachfüllen, eine Flasche liegt hinter dem Beifahrer. Da befindet sich außerdem noch Bremsflüssigkeit und ein selbstgebastelter Trichter (der abgeschnittene Hals einer Plasteflasche).
Jura setzte fort. Hier das Kühlwasser, da ist die Flasche für die Kupplungslösung (=Bremsflüssigkeit). Wenn etwas durchgebrannt ist, dann prüfe hier die Sicherungen, lege dort das Kabel um und das Auto fährt wieder.
Was ist das? Der Hebel für das Allrad-Getriebe. Aber nicht vergessen, erst außen an den Vorderrädern den Schalter umstellen, dann bei laufendem Motor den Hebel im Wagen umlegen.
Und nicht vergessen, wenn der Benzinfilter schwarz ist, dann muss man ihn wechseln.
Aha.
Und dann fügte Jura noch hinzu, dass das Auto ein Armee-Fahrzeug ist und eigentlich fünf Tage Dienst tut und dann zwei Tage lang auseinander- und wieder zusammengeschraubt wird.
Noch ein Aha und gleichzeitig der Gedanke, na mal sehen, ob das wirklich alles notwendig ist.
Jetzt aber erstmal eine Fahrprobe. Also die Sitze eingehängt, Motorhaube zu. Mir läuft der Schweiß, nicht nur vor Aufregung, sondern weil der Motor ja seine Hitze ins Wageninnere abgibt, sobald man die Haube öffnet.
KarteIch bin ganz schön nervös, habe ich mich in Deutschland immer erfolgreich gegen das Fahren großer Autos gewehrt, so muss ich jetzt doch ran. Aber Corinna hat auch Bammel, weswegen sie erstmal mit Sanka im Wald verschwunden ist.
Motor an. Läuft. Der erste Gang. Geht nicht. "Du musst die Kupplung ein paar Mal treten, dann gehts." Stimmt. Jetzt gehts. Langsam löse ich die Kupplung, gebe Gas und Tatsache, das Auto bewegt sich. Ich fühle mich wie in einem LKW. Ein großes Lenkrad, zum Treten der Pedale muss ich die Beine ganz schön anheben. Hupps, noch bevor ich den zweiten Gang finde, holpere ich durch die erste Kuhle. Und plötzlich nehme ich Fahrt auf, so kommts mir jedenfalls vor. Mit einem großen Knall fliegen hinten die Koffer durch die Luft.
Ich weiß nicht, wie weit ich gefahren bin, aber ich hatte das Gefühl, es reicht für den Anfang. Ich machte mich an die Wendung. Ich holte tief Luft und kurbelte, ja Kraft war schon nötig, aber doch nicht so viel, wie ich erwartet hatte. Mit Juras Hilfe hatte ich tatsächlich mitten im Wald in drei Zügen gewendet.
Jetzt war Corinna an der Reihe, die völlig außer Atem erst Sanka, dann uns hinterherrannte. Sanka und ich saßen nun im Salon, die Koffer wurden wieder zurechtgerückt und Corinna begab sich auf den Rückweg.
Wumms. Auch sie bretterte geradewegs in die gleichen Löcher, in die auch ich gefahren war. Wieder flogen die Koffer. Ich konnte sie gar nicht so schnell aufhalten. Und Sanka erlitt wohl den Startschreck.
Sanka, wir werden es lernen... Wir haben ja reichlich Zeit zum Üben.
Dann ging ich als erste auf die Trasse, wenig Verkehr, gute Straße, alle Achtung. Ich kam ganz gut klar, nur das Auto zieht noch nicht so recht. Wir schnaufen gemächlich die Hügel hoch und werden reichlich überholt. Kurz vor Vladimir hat Jura das Steuer wieder übernommen. Er will uns noch nicht mit Stadtverkehr belasten.
Unser UAZik
Mascha

Hinter Vladimir hatte dann Corinna ihre große Chance. Sie hatte es gleich zu Anfang schwieriger als ich, da sie dauernd auf Baustellen achten musste, die nicht angekündigt waren, wo Beschilderungen fehlten oder einen in die Irre führten.
Wohlbehalten überließen wir abends Jura das Steuer, um uns in die Innenstadt von Nishnij zu chauffieren. Superpünktlich traf auch Lena gerade von ihrer Arbeit zu Hause ein und hat uns herzlichst empfangen.
Jetzt haben wir zwei Tage in Nishnij......

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letzte Aktualisierung: 27.11.2004