Samstag, 17.08.02   Kysyl - Minussinsk - Abakan

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Tacho  
 

Gegen 6.00 knattert es dicht an unserem Auto vorbei, zu dicht. Ich schlage die Augen auf und sehe eine Jeep. Nicht irgendeinen, sondern einen von der Miliz. "Ach du Sch..." entfährt es mir, Sandra stutzt im Halbschlaf. Ich zücke schon meinen Pass, da steigt ein Milizionär ums Auto, ich denke, gleich wird er klopfen, aber er blinzelt nur durch die Scheiben, dreht sich um und geht wieder.
Theater
Theater
Anlässlich der Republiktage wimmelte es in der ganzen Stadt von Miliz. Offenbar werden auch die Tuvinen ungemütlich, wenn sie zu viel trinken. Aber getrost schlafen darf man im Auto.
Völlig verdattert von diesem Auftritt drehe ich mich um und versuche weiterzuschlafen. Zwei Stunden später ist Sandra munter und wir machen uns auf die Suche nach etwas Essbarem. In der Stadt ist noch nicht viel los und wir wollen eh lieber das Land sehen. Die Tuvinen sind ursprünglich auch Nomaden gewesen, wurden aber sesshaft gemacht und so ist Kysyl nicht gerade der Inbegriff einer schönen Stadt.

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KarteWir finden eine Tankstelle, die tatsächlich Benzin hat. Die gut ausgebaute Straße ist eine Sackgasse zum Flughafen. Wir kehren um und finden den richtigen Weg. Wir konnten von Tuva keine gute Karte auftreiben, eine kleine vergessene Republik in der Russischen Föderation, weswegen wir auf den großen Straßenatlas angewiesen sind. Der kürzeste Weg soll uns 150km im Kreis herum führen und dank unseres Ortssinns tut er es auch.
Wunschbaum
Wunschbaum
Es ist unglaublich diesig, aber sehr heiß. Wir brüten mit Sanka im Auto und stoppen, wann immer es geht. In Baj-Chaak füllen wir unseren Wasserkanister auf und ich brenne mich an einer mir unbekannten Pflanze. Tut ziemlich weh, x-mal stärker als eine Brennnessel.
Unterwegs sehen wir einen Schafhirten, Sandra springt ihm samt Fotoapparat hinterher und er ruft ihr freundlich gesinnt zu.
Ich suche die Landschaft nach Jurten ab, da die Tuvinen Sommers immer noch ihrem Nomadensinn nachspüren und tatsächlich entdecke ich eine. Allerdings ziemlich weit von der Straße ab, so dass wir beschließen, den ohnehin holprigen Weg nicht zu verlassen.

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Was hier nicht alles für Gräser wachsen. Irgendwie kommt uns die Gegend mehr wie Savanne vor. Nur sehen wir keine Tiere, außer ab und an ein Erdmännchen. Im Reiseführer stand was von Rentieren, Hirschen und Kamelen.

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Einer zweiten Nacht in Kysyl im Auto zuvorkommend, fahren wir nachmittags doch wieder über die Berge in den Krasnojarskij Kraj, außerdem tickt Sandras Flugticket.

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Motivsuche
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Da wir die Strecke über die Berge ja schon aus einer Richtung kennen, bunkern wir Benzin ein, denn es wird lange keine Tankstelle kommen. Wir geben dem Jungen, der für uns tankt ein ordentliches Trinkgeld, so oft kommen hier bestimmt keine Ausländer zum Tanken vorbei. Irgendwann läuft unser Tank fast über und wir sind nun sicher, den Weg zu schaffen. Ein paar Kilometer weiter werden wir von den Kontrollmenschen wieder aus der Liste gestrichen und es geht erneut durch den Gruselwald. Diesmal ist nicht so viel Nebel und wir sehen verschwommen einen See und ein großes Kreuz, offenbar sind hier irgendwann viele Menschen verunglückt, denn es ist mit Grabschmuck behängt.

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9149 Wir haben Hunger, haben die letzten beiden Abende nichts vernünftiges in unseren Magen befördert, können keine Kekse mehr sehen, also halten wir bei der ersten Schaschlik-Bude am Weg. 9 Spieße, für jeden drei, vor allem Sanka ist glücklich. Und heißen Tee gibts auch, es ist nämlich ganz schön ungemütlich in den Bergen geworden.
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Wir wollen in Minussinsk kurz vor Abakan übernachten. Es soll ein sehr gutes Museum haben und so hoffen wir, dass das "einfache Hotel" ein Zimmer hat. Es hat nicht. Die "noch einfachere Unterkunft" finden wir zwar, aber sie liegt ziemlich düster und ich habe wenig Lust, über das Grundstück zu stolpern. Wir kehren also ins Hotel "Chakassia" in Abakan zurück und dort gibt es inzwischen immerhin kaltes Wasser aus der Leitung.

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letzte Aktualisierung: 27.11.2004