Tee oder Kompott?

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Frühmorgens kommen Rose und ich in Nowosibirsk an. Der fehlende Frühstückstee treibt uns in das nächstbeste Hotel, gleich gegenüber vom Bahnhof. Das Büffet öffnet um acht. Wir warten bis es aufmacht und bestellen Tee. Gibt's nicht. Nescafé oder lauwarmes Kompott aus Trockenobst sind die Alternativen. Nein, werder das eine noch das andere nach Hustensaft schmeckende Getränk wollen wir nicht. Und für dumm lassen wir uns auch nicht verkaufen. Die freundliche Dame hinter dem Tresen trinkt doch selbst Tee, das sehe ich genau.
- Gibt es wirklich keinen Tee?
- Nein! Auch Rose entdeckt mittlerweile die Tassen und sogar die Teekanne, sie stößt mich an. Sie will Tee, ich auch. Ich starte den dritten Versuch.
- Aber auf der Speisekarte steht, daß es Tee gibt, dann wollen wir bitte zwei haben.
- Nein! Es gibt keinen Tee, der ist aus. Ich bekomme gleich zuviel, sie trinkt ihn und mir will sie keinen verkaufen?
- Was trinken sie denn da? frage ich Ist das etwa kein Tee?
Sie gibt auf, wütend greift sie zur Kanne und schenkt ein. Gleich darauf trägt sie Ihre Tasse mitsamt der Kanne weg, damit ja kein anderer mehr auf die Idee kommen kann, Tee zu wollen. Unser Tischnachbar hört die Diskussion und sieht, daß wir gewonnen haben. Er hat offensichtlich auch das Verlangen nach Tee. Mutig begibt er sich zum Zerberus der Frühstücksbar.
- Bitte einen Tee.
- Gibt's nicht!
- Aber die beiden Frauen haben doch auch welchen bekommen.
- Ich habe keinen Tee, nur meinen privaten und den verkaufe ich nicht.
Sie sprach's und verschwand. Dem jungen Mann blieb die Wahl zwischen Nescafé und lauwarmem Kompott.

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letzte Aktualisierung: 27.11.2004