2 Das Medium Internet

Einleitung Kapitel3
 
2.1    Medien
2.1.1    Unterrichtsmedien
2.1.2    Multimedia
2.2    Das Internet
2.2.1    Geschichte des Internet
2.2.2    Die Internet-Dienste
2.2.2.1    ElectronicMail
2.2.2.2    WorldWideWeb
2.2.2.3    Chat
2.2.2.4    Newsgroups und -foren
2.2.2.5    Die Suche im Internet
2.2.3    Fertigkeiten, die das Internet verlangt oder fördert
2.3   Was für ein Medium ist das Internet?

Im allgemeinen wird von "Neuen Medien" gesprochen und es wird damit auch das Internet gemeint. Ob das Internet als Medium bezeichnet werden kann, soll in diesem Kapitel erläutert werden. Darüber hinaus wird eine Übersicht gegeben, welche technischen Möglichkeiten das Internet bietet.

2.1    Medien

aufwaerts

Über die Definition des Begriffs "Medien" gibt es verschiedene Ansichten.

In allgemeinster Bedeutung kann man "Medium" als die Form bezeichnen, in der sich ein Inhalt oder Sachverhalt einem Menschen darstellt bzw. in der er präsentiert wird. [1]

Dies erscheint mir für zu umfassend und ich halte mich darum an eine andere Erklärung, die W. Maier vorschlägt.

Für alle Medien gilt, daß sie technische Hilfsmittel sind, die Informationen gestalten, austauschen und verbreiten. Es lassen sich in bezug auf Medien drei Aspekte unterscheiden: der technische, der semantische sowie der pragmatische Aspekt. Auf dieser Grundlage können Medienkategorisiert werden.

Der technische Aspekt betrifft, wie der Name schon sagt, die Technik, also die Bestandteile, die gebraucht werden, um das Medium herzustellen, aber auch, um es zu benutzen. Z.B. eine Druckmaschine für ein Buch oder eine Zeitung; zum Lesen selbst wird keine Technik verlangt. Ein Film dagegen erfordert zum Betrachten einen Projektor. [2]

Der semantische Aspekt berücksichtigt die Inhalte und Informationen, die durch das Medium transportiert werden, aber auch die Art der Darbietung. Eine Zeitung z.B. ist statisch angelegt, auch wenn der Leser frei entscheiden kann, welchem Detail er seine Aufmerksamkeit schenken möchte. Ein Film oder Tonband wird dem gegenüber als dynamisch bezeichnet, weil die Abfolge der Informationen vorgegeben und an einen zeitlichen Rahmen gebunden ist. Schließlich gibt es noch interaktive Medien, also Informationsangebote, deren Ablauf vom Nutzer selbst organisiert werden können. Als Beispiel ist hier Multimedia zu nennen.[3] Eine Definition zu Multimedia findet sich in Abschnitt 2.1.2.

Der pragmatische Aspekt schließlich besagt, daß Medien der Kommunikation dienen; Mediennutzer und -produzenten bilden dafür den sozialen Rahmen. Es wird zwischen Massenmedium und Individualmedium unterschieden. Das erstgenannte sind Zeitungen, Bücher, aber auch Filme und das WorldWideWeb (WWW), das letztere meint Telefon, Fax, Brief und inzwischen E-Mail.[4]

Ich halte es für wichtig, zwei Aspekte aus dem Bereich Medien hervorzuheben. Zum einen den Begriff des Unterrichtsmediums, zum anderen Multimedia. Beide sind inhaltlich nicht zwangsläufig miteinander verbunden, doch beide sind für diese Arbeit von Bedeutung.

2.1.1    Unterrichtsmedien

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Unterrichtsmedien werden von Meschenmoser nach Schulze in sieben Klassen unterteilt. Im einzelnen sind das: Medien als Vermittler von Informationen, Medien als Wirklichkeitskonstruktion, Medien als Kommunikationsstrukturen, Medien als objektivierte Instruktionssysteme, Medien als Technologien der Symbolisierung, Medien als Organisation von öffentlichkeit sowie Medien als Lehr- und Lernmittel. [5]

Die letztgenannte Klasse wird hauptsächlich auf physische Gegenstände im Unterricht angewandt, z.B. Tageslichtprojektoren, Lehrbücher, Anschauungsmaterialien u.ä. Werden solche Hilfsmittel tatsächlich eingesetzt, erhalten sie eine Vermittlerfunktion und präsentieren auch eine Wirklichkeit, die einerseits dargestellt, andererseits wahrgenommen werden soll.

Sowohl "Medien" als auch "Kommunikation" haben die Informationsübertragung als Merkmal gemeinsam. Medien können also ein "Interaktionsvehikel" darstellen, um Kommunikation gelingen zu lassen,[6] sie können aber auch die Basis für Kommunikation liefern.[7] Unterrichtsmedien dienen des weiteren als "Übersetzer von Wissen auf die Ebene der beim Lernen jeweils angesprochenen kognitiven Faktoren"[8] und erfüllen somit den instruktionstheoretischen Aspekt.

2.1.2 Multimedia

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An dieser Stelle soll eine Konkretisierung des Multimedia-Begriffs folgen. Der Etymologie nach heißt es nichts weiter als "viele Medien". Es werden auditive mit visuellen Elementen kombiniert. Der Ton-Film ist ein Vorläufer von Multimedia und heute schon so selbstverständlich, daß man eher umgekehrt den Film ohne Ton, den Stumm-Film, als etwas Besonderes hervorhebt.

Wenn heute von Multimedia gesprochen wird, ist gemeint:

  1. Medienintegration:
    Die Verbindung von Bild, Text und Ton. Text im Sinne von geschriebener Sprache.
  2. Digitalisierung:
    Alle Daten sind digital gespeichert und darum auf einer Plattform nutzbar und veränderbar, also in einem Computer.
  3. Offline- oder Online-Verfügbarkeit:
    Offline besagt, daß alle notwendigen Daten auf dem lokalen Rechnerbereit stehen;
    Online dagegen geht von vernetzten Rechnern aus.
  4. Interaktivität in multimedialem Sinn:
    Der Dialog mit dem Rechner, flexibler Zugriff auf Daten und deren Bearbeitung.[9]

Hieran anschließend kann nun das Internet genauer betrachtet werden. Nach einer Hinführung zum Begriff und den technischen Erläuterungen wird versucht, das Internet als "Multimedium" zu kategorisieren.

2.2 Das Internet

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Nicht nur Computerlaien stehen vor einem Problem, wenn sie beschreiben wollen, was das Internet ist und wie man es definieren könnte:

Das größte Problem bei einem Artikel über das Internet ist es, zu definieren, was das Internet überhaupt ist. Eigentlich existiert nämlich so etwas wie "das Internet" überhaupt nicht.[10]

Wenn schon keine Definition, so ist zumindest eine Beschreibung der wesentlichenBegriffe möglich. Die Entstehung des Internet kann zum Verständnis beitragen.

2.2.1 Geschichte des Internet

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Das Internet ist ein riesiges Netzwerk von Computern. Die ursprüngliche Idee eines Computernetzwerks entwickelten die amerikanischen Streitkräfte zu Zeiten des Kalten Kriegs, Ende der 60er Jahre. Es sollten mehrere Computer zum schnelleren und einfacheren Informationsaustausch verbunden werden.[11] Solche Netzwerke wurden später auch innerhalb von Firmen und Institutionen eingerichtet, um einerseits Kosten zu sparen, indem Software (Programme)und Hardware (Drucker u.ä.) gemeinsam genutzt werden konnten, und umandererseits Informationen ohne Datenverluste von einem Rechner zum anderen zu schicken. Der Datenverkehr wurde damals von einem speziellen Computer, Server genannt, überwacht und gesteuert.[12] D.h., Daten wurden von einem Rechner an den Server geschickt und von diesem weiter an den Zielrechner. Wurde dieser eine Server ausgeschaltet, brach das Netzwerk zusammen und war nicht mehr funktionsfähig.

Um dem zu entgehen, wurde ein Netzwerk gebraucht,das nicht kontrollier- und ausschaltbar sein sollte.[13] Es wurden mehrere Server in das Netzwerk integriert und räumlich von einander getrennt,also in der Regel mit Standleitungen an das Telefonnetz angeschlossen. Fortan mußten die Daten nicht mehr einen vorgezeichneten Weg nehmen, sondern einen beliebigen, der möglicherweise über viele Umwege sein Ziel erreicht. Damit war eine Möglichkeit gefunden, einen "Stau" in den Datenleitungen zu vermeiden. Falls der eine Weg nicht frei ist, wird ein anderer gewählt. Die militärische Idee wurde von amerikanischen Universitäten in den 80er Jahren übernommen, um ein Wissenschaftsnetz aufzubauen. Auf diese Weise wurde das Internet immer mehr Bildungseinrichtungen zugänglich. Die Technologie verbesserte sich und bald konnte man auch von zu Hause aus auf das Netzwerk zugreifen.[14]

Dieses inzwischen längst nicht mehr nur wissenschaftlich genutzte neue Medium war so stark gewachsen, daß Mitte der 90er Jahre, als die US-Regierung aus Kostengründen das Wissenschaftsnetzauflösen wollte, daran nicht mehr zu denken war. Es gab so viele Server, daß sich das Internet auch ohne die von der US-Regierung finanzierten halten konnte.[15]

Damit wurde das Internet aber auch kommerzialisiert. Firmen, sogenannte Internet-Provider, entstanden, die auch privaten Haushalten das "Tor ins Internet" öffneten. Das Internet ist ein Netzwerk aus Netzwerken.[16]

Die Struktur ist dezentral und nicht-hierarchisch. Informationsanbieter und Nutzer können ebenfalls nicht hierarchisiert werden.[17] Und dies war sicher nicht die Idee der Urväter des Internets: Ein weitgehend anarchisches System, indem alle Teilnehmer gleichberechtigt sind, sieht man von den eventuellen Kosten für diverse Dienste ab.[18]

Das Internet - ein riesiges Netzwerk. Aber wie werden Informationen dorthin gebracht? Wie werden sie gewonnen, und welche Möglichkeiten des Informationsaustauschsgibt es?

2.2.2 Die Internet-Dienste

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Um das Internet etwas an die Bedürfnisse der Nutzer anzupassen, habensich diverse Internet-Dienste entwickelt, die sich "in 1) grundlegende und 2) erweiterte Netzdienste trennen lassen."[19] Grundlegende Dienste sind u.a. Electronic Mail und Dateitransfer durch FTP (File-Transfer-Program). Als erweiterte Netzdienste gelten die Diskussionsforen, die im Internet über ein eigenes Netzwerk, das Usenet verfügen sowie Internetanwendungen, wie Gopher, WideAreaInformationSystem (WAIS) und WorldWideWeb.

Am bekanntesten sind zweifellos die Dienste WorldWideWeb (WWW), um Informationen zu publizieren, und Electronic Mail (E-Mail), um zu kommunizieren. Darüber hinaus sind Chats und Newsgroups von Bedeutung.

Alle weiteren den "Durchschnittsnutzer" nicht oder kaum betreffendePunkte: WAIS, FTP und Gopher sollen nur kurz beschrieben werden.

WAIS ist ein Suchsystem, das den Zugriff auf mehrere Datenbanken gleichzeitig erlaubt. Das elektronische Bibliothekskatalog-System "OPAC" ist nach dem Prinzip von WAIS aufgebaut.

FTP ist ein hierarchisch angeordnetes Archivierungssystem. Die Angebote, meist Programme, seltener Texte oder Bilder, werden nicht direkt über das Internet betrachtet oder ausgeführt. Der Nutzer lädt sich die betreffenden Dateien zur weiteren Verwendung auf seinen Rechner.

Gopher ist ein Internetdienst, der als Vorläufer des WWW gelten kann und nicht mehr erweitert wird. Gopher ist ein Informationssystem, folglich inhaltlich dem WWW ähnlich, aber der hierarchische Aufbau ist mit FTP vergleichbar.

2.2.2.1 Electronic Mail

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E-Mail-Dienste haben den Sinn, vorwiegend geschriebene Nachrichten von einem Computer an den anderen zu senden. In der Regel an eine bestimmte Person. Man kann sie mit herkömmlichen Briefen vergleichen. Die grundlegende Besonderheit dieser Form des Datenaustauschs liegt in der überwindbarkeit von großen Distanzen in kürzester Zeit und darin, daß die Kommunizierenden nicht zeitgleich am jeweiligen Rechner sitzen müssen, um die Nachrichten zu empfangen. Um diese Zeitversetztheit zu ermöglichen, werden die Mitteilungen in einer "Mailbox", einem elektronischen Briefkasten, der "auf dem Server liegt", zwischengespeichert.[20]

Eine Mailbox ist eine Datenbank mit unterschiedlich zu nutzenden Bereichen, hier soll nur der wichtigste, nämlich der des privaten Postfachs, genannt werden. Solch ein Postfach hat eine eindeutige Adresse, zu der mittels Kennwort nur der jeweilige Nutzer (User) Zugang hat. Um eine Adresse anzulegen, ist eine Anmeldung bei einem Provider erforderlich, es wird ein "E-Mail-Account", der nur durch ein Paßwort zugänglich ist, eingerichtet. Teilweise ist dies kostenpflichtig, oft durch Werbung finanziert. Studenten und Lehrende können in der Regel einen Account über ihre Bildungseinrichtung erhalten. Eine E-Mail-Adresse hat oft folgende Form: mein.name@provider.de

Die letzten beiden Buchstaben zeigen an, in welchem Land der Provider niedergelassen ist (.de für Deutschland, .uk für Großbritannien,.ru für Rußland, nur in den USA gibt es drei-stellige: z.B. .comfür kommerzielle, .edu für Bildungseinrichtungen). Davor steht die Bezeichnung des Providers: t-online, hotmail, uni-greifswald, etc. Diese Angaben werden durch das @-Zeichen, auch Klammeraffe genannt, vom eigentlichen Nutzernamen abgetrennt. Der Nutzername muß nicht dem wirklichen Namen entsprechen. Verschiedene Provider bieten die Möglichkeit an, Alias-Adressen anzulegen, aus denen die wahre Identität nicht hervorgeht.

E-Mails können, gleich wo sie verfaßt und abgesendet werden, überall auf der Welt von einem beliebigen E-Mail-Programm empfangenwerden. Inzwischen ist die Technik der Codierung der Texte so weit entwickelt, daß auch Texte mit anderen als den lateinischen Schriftzeichen, also kyrillisch, arabisch oder chinesisch wiedergegeben werden können. Zusätzlich zum Schreiben gibt es inzwischen die Möglichkeit, Anlagen an eine E-Mail anzuhängen, ob Bilder, Tabellen oder weitere Texte, beliebige Dateien können den schnellen Weg der E-Mail nehmen.

2.2.2.2 WorldWideWeb

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Neben dem Nachrichtenaustausch ist es natürlich ebenso wichtig, seineInformationen (Bilder, Grafiken) nicht nur einzelnen zu schicken. Manche Grafik wird erst in einer großen übersicht verständlich, mancher Tabelle fehlt der Kontext. Hierfür wurde das WWW entwickelt. In einer besonderen Programmiersprache (HTML-Code) werden "Seiten" mit Text, Bild, ggf. auch Ton oder Film gestaltet. Die einzelnen Seiten werden durch "Links" verkettet, ähnlich den Verweisen in einem Lexikon.So ist es möglich, von einer Seite auf die andere zu springen oder zu "blättern". Solche Texte werden als Hypertexte bezeichnet.

Hypertexte sind eine besondere Textform, da sie einer herkömmlichen Textdefinition nicht mehr gerecht werden. Das markanteste Merkmal eines Textes, nämlich der eindeutig definierte Anfang und der ebensolche Schluß, ist hier nicht mehr gegeben. Bei der Rezeption eines Hypertextes setzt man an einer beliebigen Stelle ein und endet, wo es einem gefällt. Sicherlich lassen sich innerhalb von Hypertexten Texte finden, die der sprachwissenschaftlichen Definition genüge leisten, doch auch sie können durch Links unterbrochen werden und die Linearität wird damit aufgebrochen.[21]

Mehrere zusammengehörende und durch Links verknüpfte Seitenbilden zusammen einen "Website".[22] Eine einzelne Seite kann als Webseite bezeichnet werden. Sämtliche Dateien eines Websites, also alle auditiven und visuellen Elemente werden auf einem externen Rechner unter einer konkreten Adresse (z.B. http://www.mein.provider.de/meineseiten/dateiname) gespeichert.

Sobald jemand über sein Betrachtungsprogramm (Browser) die Adresse eingibt, wird die Seite über das Internet zu ihm geschickt. Dies erfolgt in der Regel in kürzester Zeit. Der Browser übersetzt kaum merklich den HTML-Code und zeigt dem Anwender eine hoffentlich übersichtlich und ansprechend gestaltete Seite. Es findet neben der Bezeichnung "Website" auch "Homepage" Verwendung, sie werden häufig synonym gebraucht. Homepage meint ursprünglich nur die Startseite eines Website. Die Startseite sollte einen guten überlick über das Angebot des Website geben.

Zu beachten ist, daß der HTML-Code sehr speicherplatzsparend ist. Auch für integrierte Bild- und Tondateien wurden komprimierte Dateiformate sowie für via Internet ausführbare Programme universale Programmiersprachen entwickelt. Speicherplatz kostet Geld, und so ist es wichtig, mit diesem ökonomisch umzugehen, auch wenn die Rechner immer leistungsfähiger werden. Das gleiche gilt für lange Datenübertragungszeiten, auch sie sind teuer und kleine Dateiumfänge werden natürlich schneller übertragen.

2.2.2.3 Chat

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Ein Chat ist mit einem Telefongespräch oder mehr noch mit einer Konferenzin schriftlicher Form vergleichbar. Mindestens zwei Teilnehmer treffen sichin einem virtuellen Gesprächsraum (Chatroom), in dem sie online ihre äußerungen eintippen können, die in kaum merklicher Verzögerung auf dem Bildschirm der "Gesprächspartner" erscheinen. Es handelt sich demnach um synchrone Kommunikation, also in Echtzeit, eine sofortige Reaktion auf Meinungen der anderen Teilnehmer ist möglich, so daß tatsächlich von einer Gesprächssituation ausgegangen werden kann.

Chatrooms werden meist thematisch sortiert, so daß es ein Rahmenthema gibt, über das sich die Teilnehmer austauschen. In solchen Chatgemeinschaften sind in der Regel mehrere Personen an einer Diskussion beteiligt, so daß es mitunter schwerfällt, dem Gespräch zu folgen. Diverse Einwürfe können fälschlich auf andere äußerungen bezogen werden. Beim Betrachten solcher Chats kann festgestellt werden, daß selten ernsthafte Diskussionen zustande kommen.[23] Darum paßt auch der Begriff "Chat", der aus dem Englischen stammt und etwa Klatsch und Tratsch bedeutet. Für die seriöse Auseinandersetzung mit einem Thema eignen sich Newsgroups wesentlich besser (vgl. dazu den nächsten Abschnitt).

Besteht der Wunsch, mit einer bestimmten Person zu kommunizieren, können sich die "Gesprächspartner" in einen privaten Chatroom, ein virtuelles Separée, zurückziehen. Die anderen Gästeim allgemeinen Chatroom können dann nicht mitlesen, man spricht in diesem Zusammenhang auch von Flüstern. Hier finden sicherlich am ehesten Gespräche im herkömmlichen Sinne statt.

Um non- und paraverbale Redemittel wie Grinsen, Schreien oder Zwinkern einzusetzen, hat sich ein besonderer Zeichencode entwickelt. Die Zeichen werden Emoticons genannt. Entstanden ist dieser Begriff aus einer Zusammenziehung von Emotion und Icon. Als Icon werden im Computer-Anwendungsbereich Symbole bezeichnet. Emoticons findet man auch in E-Mails und in Newsgroups. Der Sprachgebrauch in einem Chat lehnt sich sehr an die gesprochene Sprache an und ist oft auf das Notwendigste reduziert.

2.2.2.4 Newsgroups und -foren

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Eine Mischung aus Kommunikation und Information sind Newsgroups. Auch für sie gibt es einen Vergleich aus dem täglichen Leben: die Pinnwand, allerdings mit dem Unterschied, daß sie, ebenso wie Chats, thematisch geordnet sind. Die Ordnung übertrifft allerdings die der Chats. Ähnlich wie bei E-Mail- und Webadressen kann man an der "Adresse" einer Newsgroup die wichtigsten Informationen ablesen. Aus welchem Land stammt sie, welches ist das übergeordnete Thema, welches das detaillierte?

z.B.:

de.

deutschsprachige Newsgroup
de.rec zu Themen aus Hobby und Freizeit
de.rec.reisen speziell zu Reisen
de.rec.reisen.pauschal spezieller zu Pauschalreisen
de.rec.reisen.rucksack spezieller zu Rucksackreisen

Es wird eine Meinung geäußert, eine Frage gestellt, die an den entsprechenden Newsgroup-Server gesendet wird, wo die Nachricht schließlich unter Angabe des Datums, eines Titels und des Autorennamens (oder Alias) erscheint. Alle, die diese Newsgroup besuchen, können diese Nachrichtlesen und auch direkt auf sie antworten. Im allgemeinen werden Fragen sinnvoll beantwortet.

Manche Besitzer einer eigenen Homepage betreiben auf ihrer Webseite Newsforen, wo sie Neuerungen bekanntgeben und wo Gäste auch Fragen zum Thema des Website stellen können. Oft ergeben sich auch da interessante Diskussionen, und man erfährt nützliches.

Viele Anbieter eines Forums haben die Option, neue Meldungen per E-Mail zu versenden, so daß man nicht regelmäßig den Website besuchen muß, um auf dem neuesten Stand zu sein.

2.2.2.5 Die Suche im Internet

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Die Suchmaschinen zählen nicht zu den Internetdiensten, wie sie oben beschrieben wurden. Sie sind in das WWW integriert und bieten den Suchenden ihre Hilfe an. Einige von ihnen verlangen von denen, die Seiten veröffentlichen wollen, Geld, andere finanzieren sich durch Werbung und dritte geben nur gegen Gebühr Auskunft.

Von Suchmaschinen gibt es zwei Kategorien und wiederum Kombinationen aus diesen. So werden einerseits Kataloge manuell erstellt. Eine Redaktion sucht das Internet nach interessanten Seiten ab und sortiert sie nach Schlagworten. Bei einigen Katalogen kann ein Eintrag der eigenen Seite beantragt werden. Solche Kataloge werden u.a. bei Web.de oder Yahoo angeboten. Hier wird das Ziel nach Themengebieten gesucht.[24]

Den Katalogen gegenüber stehen Suchroboter. Der Roboter ist eine Art Informationssammler, der automatisch durchs Internet surft und eine große Menge Seiten aufgreift, gleich, ob sie brauchbar sind oder nicht. Danach werden die Daten strukturiert, und schließlich wertet eine besondere Software die eigentliche Suchanfrage aus. Logische Operatoren (z.B. UND/ODER)helfen, die Suchbegriffe zu verbinden, die alle auf der relevanten Seite vorkommen müssen, deren Adresse einem als Ergebnis auf dem Bildschirm ausgegeben wird (z.B. Google).[25]

Aus diesen beiden Arten von Suchmöglichkeiten lassen sich Kombinationen herstellen. So gibt es spezialisierte Suchroboter, die nur Seiten zu einem speziellen Fachgebiet ermitteln. Außerdem existieren noch Meta-Suchmaschinen (z.B. Metager), die nicht selbst "auf die Suche gehen", sondern andere Suchmaschinen "beauftragen", den gewünschten Begriff zu suchen und die jeweils besten Ergebnisse der einzelnen Suchmaschinen auszugeben.[26]

Wer sich jedoch auf die Suche begibt, der sollte sich gründlich überlegen, was gesucht wird. "Je allgemeiner der Suchbegriff, desto wichtiger die redaktionelle Einordnung im Katalog."[27] Je detaillierter der Suchbegriff, umso geringer ist die Chance, daß er in einem Katalog gesondert aufgelistet wird. Man stelle sich dabei durchaus einen realen Versandhauskatalog vor. Auch dort wird zunächst unter den Haushaltsartikeln gesucht, wenn ein Dosenöffner gefunden werden soll. Unter dem Stichwort "Computer" werden einem z.B. mit einem Suchroboter mind. 2 Mill. Seiten angegeben. Möchte man dagegen eine detaillierte Frage lösen, ein Wort klären, dann empfiehlt sich ein Roboter.

2.2.3 Fertigkeiten, die das Internet verlangt oder fördert

aufwaerts

Das Internet erfordert von seinen Nutzern eine Reihe von Fertigkeiten. Die Beherrschung der Technik ist die mindeste Voraussetzung. Wie wird eine E-Mail geschrieben, abgeschickt und empfangen, wie wird durch das WWW "gesurft"?

Doch auch die die kognitive Komponente spielt eine große Rolle. Wer sich gedanklich nicht auf die Struktur des Internet einstellen kann, der wird sich im Netz der Netze verlieren, der wird nicht in der Lage sein, sich durch Hypertexte zu klicken und auch nicht sich kommunikativ einzubringen.[28]

Besonders die Kommunikationsmöglichkeiten bringen einen sozialen Aspekt ein. Auch wenn das Internet nicht-hierarchisch angeordnet ist, so hat sich doch ein "Knigge" für das Internet entwickelt, die sog. "Nettiquette". Es gibt die Nettiquette in verschiedenen Sprachen und Ausführungen. In jedem Fall sind in diesen Benimm-Regeln Hinweise zum Umgangston gelegentlich auch ein Lexikon der Emoticons enthalten.

Die Nettiquette wird auf vielen Websites angeboten, so z.B. vom Kommunikations- und Informationsnetz von Jugendlichen für Jugendliche in Frankfurt, von Torfabrik.de, dem Borussia-Webmagazin. Eine etwas andere Art der Nettiquette, ist der Leitfaden zur verantwortungsvollen Nutzung von Datennetzen des Vereins zur Förderung des deutschen Forschungsnetzes .

Die Einhaltung wird von allen Anwendern erwartet. Wer sich nicht daran hält, riskiert, daß er für Newsgroups gesperrt oder daß seine Seite (z.B. mit rechtsradikalem Hintergrund) vom Server gelöscht wird und damit unzugänglich ist. Der soziale Aspekt kommt auch in einer hohen Kooperationsbereitschaft zum Ausdruck. Besonders Newsgroup-Leser helfen sich gegenseitig und stellen dabei ihre privaten Interessen in den Hintergrund. In der Folge kann bei Internetnutzern eine Steigerung von Selbstkritik, Selbstdisziplin und Autokorrektur festgestellt werden.[29]

Wer sich im Internet bewegt, stößt fast automatisch auf Beiträge, die ihn emotional berühren, denen er zustimmen oder widersprechen möchte. Dies kann in Newsgroupartikeln ebenso wie in "Gästebüchern" abgelesen werden, die viele Webmaster (Betreuer eines Website) für ihre Leser eingerichtet haben. Dadurch wird natürlich wiederum der kognitive Aspekt betont, denn wen ein Thema beschäftigt, der setzt sich damit intensiver auseinander. Eine Diskussion im Internet ist von einer mündlichen zu unterscheiden, da alle Beiträge schriftlich fixiert sind. Dadurchistes möglich, alle äußerungen zurückzuverfolgen. Eine Aussage wie "Das habe ich nicht gesagt." kann in einer mündlichen Diskussion nur schwer widerlegt werden. Eine Revision eines Gedankens im Internet kann folglich nur mit einem Eingeständnis des Fehlers einhergehen.

2.3 Was für ein Medium ist das Internet?

aufwaerts

Wenn wir das Internet näher betrachten, so erkennen wir, daß vom technischen Standpunkt aus wenigstens zwei Computer sowie eine verbindende Telefonleitung benötigt werden. Der semantische Aspekt besagt, daß wir es mit einem interaktiven Medium zu tun haben, allerdings nicht grundsätzlich und der pragmatische weist uns den Weg zum Massenmedium. Vgl. Abschnitt 2.1.

Nun sind Massenmedien in der Regel einseitig, öffentlich und indirekt. D.h., Massenmedien richten sich an ein breites Publikum, wobei eine räumliche und/oder zeitliche Distanz überwunden werden muß. Ein Rollenwechsel zwischen Sender und Empfänger findet nur bedingt statt (z.B. Leserbriefe).

Hatte bislang ein einzelner Mensch keine Möglichkeit, seine Informationen auf einer öffentlichen Plattform zu präsentieren, so ist dies nun möglich. Das Internet ist ein Publikationsmedium, aber auch ein Informationsmedium, so daß wir berechtigt sind, von einem "publizistischen Massenmedium" zu sprechen.[30]

Obendrein gestaltet sich das Internet als ein Kommunikationsmedium, da ein Wechsel zwischen Textproduzent und Textrezipient möglich ist. Die räumliche Distanz ist dabei immer gegeben, die zeitliche nicht, wenn z.B. "gechattet" wird.

Der Begriff des Massenmediums "Internet" ist allerdings einzuschränken in bezug auf die öffentlichkeit. Sofern via E-Mail kommuniziert wird, bleibt die Privatsphäre gewahrt, zumindest solange sich niemand das schützende Paßwort zu eigen gemacht hat und sich verbotener Weise auf einem fremden Rechner herumtreibt.

M.E. ist es schwer, das Internet als Ganzes einordnen zu wollen. Besser scheint mir, die einzelnen Dienste voneinander abzugrenzen und sie unter dem Dach des Internet zusammenzuführen. Allen Diensten gemeinsam sind lediglich die Kriterien der Multimedialität. (Vgl. Abschnitt 2.1.2), so daß ich zusammenfassend das Internet als "Multimedium" bezeichnen möchte und zwar nicht nur im Sinne der o.g. Multimedialität sondern auch, weil der Informationsaustausch auf drei grundlegende Weisenvoneinanderunterschieden werden kann:

  • öffentlich und einseitig (WWW)
  • öffentlich und gegenseitig (Newsgroups, Chat)
  • privat und gegenseitig (E-Mail)

Wir haben nun erfahren, wie das Internet funktioniert, wie es verwendet und als Medium eingeordnet werden kann. Welche Veränderungen sich für den Unterricht ergeben, und welchen Nutzen wir daraus ziehen können, wird im folgenden Kapitel erarbeitet.

Einleitung Kapitel 3


Fußnoten: Zurück zum Text gelangen Sie, wenn Sie die Fußnotenzahl anklicken.

[1] Tulodziecki, 1992, 12 zitiert nach Meschenmoser, 1999, 10
[2] vgl. Maier, 1998, 14
[3] vgl. ebenda, 15
[4] vgl. Maier,1998, 16 f.
[5] vgl. Meschenmoser, 1999, 11ff
[6] vgl. Meschenmoser, 1999, 13
[7] vgl. Meschenmoser, 1999, 16
[8] Hofer, 1974, 832 zitiert nach Meschenmoser, 1999, 14
[9] vgl. Maier, 1998, 151
[10] Köhntopp zitiert nach Wetzstein, 1995, 26
[11] vgl. Fasching, 1997, 15
[12] vgl. Hildebrand, 1999, 19
[13] vgl. Maier, 1998, 175
[14] vgl. Fasching, 1997, 16
[15] vgl. Fasching, 1997, 17
[16] vgl. Hildebrand, 1999, 21
[17] vgl. Wetzstein, 1995, 26
[18] vgl. Fasching, 1997, 15
[19] Wetzstein, 1995, 27
[20] vgl. Wetzstein, 1995, 18
[21] vgl. Wagner, 2000, 8
[22] Website heißt übersetzt etwa soviel wie "Raum im Netz". Beim Gebrauch des englischen Wortes im Deutschen wird "Site" oft mit "Seite" verwechselt. Zur Unterscheidung kann die Verwendung des maskulinen Artikels für "Site" helfen.
[23] vgl. Hildebrand, 1999, 31
[24] http://www.recherchefibel.de/Kataloge/kataloge.html
[25] http://www.recherchefibel.de/Crawler/crawler.html
[26] http://www.recherchefibel.de/Spezielles/spezielles.html
[27] http://www.recherchefibel.de/Kataoge/kataloge.html
[28] vgl. Grätz/Morató, 2000a, Lehrerheft, 22f (im Anhang)
[29] vgl. Grätz/Morató, 2000a, Lehrerheft, 22f (im Anhang)
[30] vgl. Fasching, 1997, 53

Einleitung Kapitel 3
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letzte Aktualisierung: 27.11.2004