1 Einleitung

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Das Internet verändert die Welt, so scheint es. Ehen werden durch das Internet gestiftet, Wirtschaftskontakte herbeigeführt. Man muß dank Internet nicht mehr zwingend auf die Bank, Lebensmittel werden einem ins Haus geliefert, und eines Tages sitzen alle Menschen vor dem heimischen Rechner und leben virtuell. Diese Vision ist traurig, aber doch macht sie vor unserem Leben nicht halt.

Und so wie uns manches durch das Internet erleichtert werden soll, soll auch das Lernen damit einfacher werden. Das Internet hält Einzug in den Fremdsprachenunterricht und die Vorschläge, wie man es einsetzen kann, nehmen ständig zu.

Welche Möglichkeiten des Einsatzes gibt es? Was aber ist von diesen Möglichkeiten zu halten? Und vor allem, wie findet sich ein brauchbares Projekt für den Einsatz?

Das Thema "Internet im Unterricht" wird seit den ersten Versuchen vielfältig bearbeitet. Seine Vor- und Nachteile werden von verschiedenen Autoren hervorgehoben, dennoch nicht immer mit weitreichenden Empfehlungen für die Entwickler. Einige Arbeiten sind eher Projektbeschreibungen oder Erfahrungsberichte, während andere sich dem Einsatz des Internets sehr allgemein widmen. Und viele Autoren wenden sich dem Problem auf rein theoretischer Ebene zu, Lerntheorien, Rezeptions- und Produktionstechniken werden erläutert.

Für mich stand zu Beginn der Beschäftigung mit dem möglichen Einsatz des Internets im Fremdsprachenunterricht die Frage nach dem Sprachgebrauch im Internet im Vordergrund. Das Themengebiet wurde darum weitgehend auf die Kommunikation im Internet beschränkt, wobei besonders der Einfluß der internetspezifischen Sprache auf das Fremdsprachenlernen berücksichtigt werden sollte.

Auf der ersten Suche nach Material und konkreten Ideen wurde festgestellt, daß theoretische Evaluierungen und kritische Betrachtungen von Projekten weitgehend fehlen, dabei wären sie dringend notwendig, um auf ihrer Basis Weiterentwicklungen vorantreiben zu können. Daneben fehlen natürlich auch Langzeitstudien, die den Erfolg einzelner Projekte untersuchen, aber auch die sprachlichen Auswirkungen aufzeigen könnten. Letzteres wird gerade erst an Muttersprachlern durchgeführt.

Es zeigte sich, daß der Einfluß der Internet-Sprache auf Lernergebnisse noch nicht untersucht werden kann und vor allen Dingen sehr viel Zeit bräuchte. Dennoch kann der Gebrauch einer Fremdsprache im Internet Prüfungsgegenstand sein. Übernehmen Lerner etwas von den sprachlichen Neuheiten, wie übermitteln sie Emotionen, etc.?

Für eine Untersuchung konnte ein Projekt des Goethe-Instituts gewonnen werden: "Mediterrania", ein Netzsuchspiel mit E-Mail für jugendliche Deutschlerner aus verschiedenen Ländern. In der Praxis erwies sich "Mediterrania" jedoch für eine sprachwissenschaftlich angelegte Analyse als ungeeignet, so daß die Auseinandersetzung mit dem Projekt auf lerntheoretische Aspektehin ausgerichtet werden mußte. Was verspricht der Einsatz von „Mediterrania“und was hält das Spiel?

Um diese Frage zu beantworten, bedarf es einer Einführung, die sich einerseits an den im Titel der Arbeit genannten Begriffen "Internet" und "Kommunikation" orientiert und darüber hinaus ungefähr an den theoretischen Hintergründen der Lehr- und Lernziele von "Mediterrania" ausgerichtet ist. Zunächst also die Frage: Was ist das Internet? Daran schließt sich die Problematik der Interkulturalität an. Es müssen die Begriffe "interkulturelle Kommunikation" und "interkulturelles Lernen" geklärt werden, bevor das Internet in Beziehung zum Unterricht gesetzt werden kann. Wie kann man es im Fremdsprachenunterricht einsetzen? Und da der Untersuchungsgegenstand ein Spiel ist, muß auch das Sprachlernspiel als didaktisches Mittel betrachtet werden.

Im zweiten Teil der Arbeit wird "Mediterrania" beschrieben und als Sprachlernspiel kategorisiert. Abschließend findet eine umfassende Analyse anhand der Lehr- und Lernziele statt.

Die Analyse basiert auf E-Mails, die zwischen Klassen verschiedener Ländergeschrieben wurden sowie dem Spielmaterial, das vom Goethe-Institut dazu gereicht wird. Um etwas mehr Einsicht in das Unterrichtsgeschehen zu gewinnen, wurde eine teilnehmende Schulklasse in Schweden besucht, außerdem wurden die Lehrer per E-Mail nach dem Spiel über ihre Eindrücke befragt.

Der besseren Lesbarkeit wegen beschränkt sich diese Arbeit weitgehend auf die Nennung männlicher Bezeichnungen, selbstverständlich sind Frauen immer mit eingeschlossen.

  
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letzte Aktualisierung: 27.11.2004